Ein Bericht von Philipp Harrschar, Partner der Zühlke Engineering GmbH

Die Digital Insurance Agenda ist für mich derzeit das Flagship-Event für Versicherungen. Dieses wurde die letzten Tage in Amsterdam wieder eindrucksvoll bestätigt: Über 1300 Teilnehmer und 2019 auf drei Tage verlängert. Eine exzellente Möglichkeit, das Netzwerk zu pflegen und neue Impulse mitzunehmen. Das Format: Die großen Player halten die Keynotes und nutzen diese für Marketing, InsurTechs pitchen in kurzen und knappen Sessions ihre Lösungen. 

Das Innovationsmuster der Branche

Für jeden Schritt der Insurance Value-Chain gibt es ein InsurTech, das hier eine Lösung anbietet. Zumindest entsteht dieser Eindruck. You name it, you get it. Demzufolge sind viele etablierte Unternehmen unterwegs und scouten Produkte und Lösungen. Denn, Etablierte können Innovation nicht mehr nur alleine realisieren und setzen explizit und offen auf Kooperation mit InsurTechs (Aegon, ING) oder ausgelagerte Startups. Die Ökosysteme – das Zusammenspiel von Etablierten und InsurTechs – werden bestehen bleiben. Laut McKinsey ist die Strategie von ca. 2/3 aller InsurTechs darauf ausgerichtet, mit etablierten Unternehmen zu kooperieren. Auf der Überholspur, aber im Rückspiegel immer größer werdend, sind die TechGiants. Von McKinsey kam die Aussage, dass sehr stark damit gerechnet wird, dass gerade Amazon zum Schwergewicht der Branche wird, weniger hingegen Google

Mein Highlight

Dieses Jahr gab es für mich kein Highlight, keine Überraschung, nichts Spektakuläres. Mit etwas Abstand komme ich zu dem Ergebnis, dass das okay ist. Jeder arbeitet an seinem Verständnis von Digitalisierung und Innovation. Das Entscheidende dabei: Die Geschwindigkeit ist extrem unterschiedlich. Während gerade TechGiants und asiatische Unternehmen mit Lichtgeschwindigkeit unterwegs sind, habe ich den Eindruck, dass viele Unternehmenskulturen in Mitteleuropa / Deutschland diese Geschwindigkeit nicht mitgehen können. Positiv hingegen fiel mir die Deutsche Familienversicherung auf, die mit großer Entschlossenheit auftrat. Der Gesamteindruck ist für mich bedenklich, da viele Stimmen auf der Bühne sagen: Die nächsten zwei Jahre passiert noch nicht viel, in zehn Jahren sieht die Welt aber komplett anders aus. Disruption! (u.a. McKinsey). DISCLAIMER: Ich konnte nicht alle Vorträge sehen und es gab Themen, die mich noch sehr interessiert hätten, z.B. Furhat Robotics: The most advanced human-like social robot.

Mein Lowlight

Der Vortrag von Lemonade wurde von vielen mit Spannung erwartet und war auch sehr unterhaltsam und professionell vorgetragen. Ich hatte mir jedoch erhofft, dass es konkrete und ggf. provokative Statements zum Business und zur Branche gibt. Leider gab es hierzu nichts. 

Meine Überraschung

Ich hätte mir gewünscht, dass es noch mehr Lösungsansätze zur Vermeidung von Schäden / Leistungen gibt. Ein positives Beispiel war twingz, das Daten der Wasseruhr auswertet und so Wasserschäden entdeckt. Es ist für die Branche noch ein weiter Weg zu gehen bis Kundenzentrierung wirklich ganz oben auf der Agenda steht. Momentan herrscht oft noch eine kostenorientierte Denke vor. Selbstverständlich nicht ohne Grund, denn z.B. beim Thema Claims gibt es viel zu tun. 

Welche Startups haben es in mein Herz geschafft?

MDGo baut die Brücke zwischen Automotive und Healthcare und ist nach eigenen Aussagen in der Lage, aus Sensordaten des Fahrzeugs Werte für virtuelle Sensoren am Körper zu ermitteln. So sollen 10 Sekunden nach einem Unfall Daten für die medizinische Behandlung zur Verfügung stehen. Beeindruckend, wenn Technologie einen so hohen Nutzen stiften kann. 

HUMN.ai passt den Versicherungstarif auf der Basis von Fahrstil-Echtzeitdaten aus den Fahrzeugen an. Der Fokus liegt klar auf gewerbliche Fahrer, die keine emotionale Bindung zu ihrem Fahrzeug haben. Jeder, der schon einmal einen „Aggressive Leader“ als Taxifahrer hatte, wird hier Gefallen daran finden. 

Buzzwords der Konferenz

Etwas hellhörig wurde ich, als mehrfach der Begriff Bankassurance verwendet wurde. Von Tieto wurde eine Anwendung zur Kooperation mit Banken/Konten vorgestellt. Klar ist, dass wir uns in der Zukunft intensiv mit PSD2 beschäftigen müssen. Herausforderung und Chance gleichermaßen.

Und Blockchain?

Ich schätze die DIA, weil dort das Thema Blockchain entspannt auf der Agenda steht. Es geht nicht darum, händeringend Anwendungsfälle zu finden, sondern Blockchain / DLT einzusetzen, wenn die Technologie Sinn ergibt. Und die Parallelen hierfür sind sehr klar erkennbar: Immer dann, wenn ein Ökosystem mit mehreren Parteien im Spiel ist oder wenn per se ein Bezug zur Kryptowelt erkennbar ist. Ein Beispiel hierfür ist das o.g. Unternehmen Human.ai.

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